Schlussgottesdienst mit Reisesegen

zurück

Predigt des Bischofs

Liebe Mitbrüder
Liebe Pilgerinnen und Pilger

Wir feiern den letzten Gottesdienst unserer gemeinsamen Lourdes-Wallfahrt. Für einige von euch ist es der letzte Tag, sind es die letzten Stunden in Lourdes. Unsere Lebenswallfahrt geht aber weiter. Wir schreiten weiter voran, bis wir für immer in die himmlische Heimat gelangen. Wir sind Pilgerinnen und Pilger der Hoffnung, des Glaubens und der Liebe: Liebende, Hoffende, Glaubende. Ich finde es sehr gut ausgewählt, dass in der heutigen Liturgie die Jünger von Emmaus vorkommen. Nur unterwegs und gemeinsam begegnen wir Jesus auf dem Weg. Er, unser Heiland, geht uns immer auf unserem Pilgerweg voran, wie er sagte: «Mei-ne Schafe hören auf meine Stimme; ich kenne sie und sie folgen mir.»

Um Fortschritte des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe zu machen, ist es erforderlich, dass wir seine Stimme hören. Es liegt mir am Herzen, dies gerade heute in diesem Schlussgottesdienst zu unterstreichen. In den letzten Tagen haben wir durch die besondere Gegenwart unserer himmlischen Mutter die Stimme des Herrn leichter, deutlicher wahrnehmen können. Das darf nicht mit der heutigen Verabschiedung aufhören. Die Unbefleckte Empfängnis wird sehr froh und glücklich sein, wenn wir den Vorsatz fassen, ganz konsequent und treu, jeden Tag eine Weile zu reservieren, um mit Jesus persönlich ein Gespräch zu führen. Das Gebet darf in unserem Alltag nie fehlen. Zudem – wenn wir überzeugt sind, unterwegs mit dem Herrn zu sein – werden wir in allen Verrichtungen, Situationen, Begegnungen, Beschäftigungen des Alltags seine Gegenwart wahrnehmen und mit ihm ganz spontan von Herzen zu Herzen plaudern. Jeder Augenblick und jede Situation sind geeignet für ein Stossgebet.

Sowohl im Evangelium, als auch in der Lesung ist die Rede von der Hand Gottes, von der Hand des Vaters, von der Hand des Herrn: «Ich gebe ihnen ewiges Leben. Sie werden niemals zugrunde gehen und niemand wird sie meiner Hand entreissen. Mein Vater, der sie mir gab, ist grösser als alle und niemand kann sie der Hand meines Vaters entreissen. Ich und der Vater sind eins.»

Es ist die Hand, die die Schritte des Lebens, des Zeugnisses und des Tuns der ersten Christen fest begleitet hat. Es heisst in der Apostelgeschichte: «Die Hand des Herrn war mit ihnen und viele wurden gläubig und bekehrten sich zum Herrn.» Unsere Welt braucht dringend Menschen, die sich zu Christus bekehren. Dies ist möglich. Dies ist möglich, wenn wir – wie gesagt – uns von der Hand des Herrn führen lassen.  Wie wir vorher hörten, würden die Jünger in Antiochia zum ersten Mal Christen genannt. Ja, es sind jene Menschen, die Hand in Hand mit Christus im Heute leben und wirken. Auch hier könnten wir den Vorsatz fassen, 100prozentig Christinnen und Christen zu sein.

Wenn wir sehr nahe bei ihm, an seiner Hand sein möchten, sollten wir wie der Herr, stets Wanderer, Pilgernde sein. Unser Erlöser bleibt nicht stehen. Bis zur letzten Sekunde der Menschheitsgeschichte ist er unterwegs. Er geht überall hin: zu allen Wirklichkeiten, an alle Orte, zu allen Ereignissen, zu allen Leiden und Leidenden, zu allen Völkern und zu allen Nationen der Geschichte. Er will Heil für alle und für alles sein. Wenn wir mit seiner Hand verbunden bleiben möchten, müssen wir auch dieses missionarische Bewusstsein haben. Nicht stehen bleiben! Wir dürfen nicht eine Clique der Guten, eine Elite der Frommen bilden. Von seiner Hand festgehalten können wir mutig und glaubensvoll zu allen Milieus mit der Frohbotschaft des Herrn gelangen. Wir können tatsächlich, wahrhaft, im Herzen – mit unserem Gebet und unserer Fürbitte – an alle Orte der Welt gelangen, wo viele brennende Anliegen bestehen. An der Hand Jesu – eins geworden mit seiner Hand – werden auch wir eine Oase des Friedens, eine Oase des Lichtes für viele andere sein können. Ich wage zu sagen: Wir vergegenwärtigen die Hand des Herrn.

Am Schluss wollen wir zu Maria gelangen: Gegrüsst seist du, Maria, der Herr ist mit dir! Der Herr war mit ihr, der Herr ist mit ihr, weil sie die treueste Wallfahrerin zusammen mit dem erlösenden Wallfahrer Jesus Christus ist: Hand in Hand mit ihm! Sie war unterwegs mit ihm in den schönsten und in den schrecklichsten Momenten. Nach Jesu Himmelfahrt hätte sie denken können: Ich habe die Pension verdient. Jetzt ruhe ich endlich aus. Unsere liebe Mutter im Himmel ist aber nicht so. Sie ist aktiv geblieben; an der Seite der betenden Urgemeinschaft, als Stütze und Begleiterin der Schritte der ersten Christinnen und Christen. Sie ist sozusagen die zärtliche, mütterliche Seite der Hand des Herrn.

Unbefleckte Empfängnis, voll Vertrauen sagen wir dir heute in Lourdes: Sei du – Mutter – immer die liebkosende Hand, die uns zärtlich ermutigt an der Hand des Herrn voranzuschreiten!

Lourdes, 28. April 2026

Joseph Maria Bonnemain
Bischof von Chur

 

zurück

Copyright 2026. All Rights Reserved.

Wir verwenden Cookies und Analyse-Software, um unsere Webseite benutzerfreundlich zu gestalten. Indem Sie unsere Website benutzen, stimmen Sie unseren Datenschutzbestimmungen zu.

Datenschutz Impressum
You are using an outdated browser. The website may not be displayed correctly. Close