Installation zweier neuer Domherren

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Vesper Kathedralweihe und Installation Domherren  

 

Liebe neuernannte Domkapitulare
Lieber Domprobst, lieber Domdekan, liebe Domherren
Liebe Mitbrüder
Liebe Gäste
Liebe Schwestern und Brüder

Die Feier des Weihetags einer Kirche bringt zum Ausdruck, dass es sich nicht um einen gewöhnlichen Versammlungsraum handelt, sondern um einen Ort des liturgischen Kultes, der Gottesverherrlichung, des Gebetes und der Gottverbundenheit. Die Einweihung entzieht den Raum der Verfügbarkeit der Menschen. Durch die Einweihung wird dieser Ort gleichsam Gott übergeben. Diese Bestimmungsverwandlung gilt in besonderer Weise für die Bistumskathedrale. Ihr Weihetag sollte den Gläubigen im Bistum zum Bewusstsein bringen, dass sie alle durch die Taufe Gott geweiht sind, berufen zu einer vertrauten und tiefen Gottesbeziehung und dass sie der eigenen Selbstverfügbarkeit entzogen sind. Sie sind Ort Gottes, geweihte Erde, Abbild und Kinder des göttlichen Vaters.

Es ist heute eine besondere Freude für uns, dass zusammen mit dem Kirchweihfest die Amtseinsetzung zweier neuer Kanoniker stattfindet. Wir sprechen von der Installation der neuen Kapitulare, von der festen Einbindung in die Mutterkirche des Bistums. Dass die Domherren installiert werden, bedeutet nicht eine «Einschraubung» ins Gebäude, sondern in den, der durch die Einweihung – wie vorher erwähnt – die Mitte und Herr des kirchlichen Gebäudes geworden ist: Gott selber. Als lebendiges Haus des Herrn sind wir berufen, Glieder seines Leibes zu sein.

Der hl. Paulus bringt diese Wirklichkeit in seinem Brief an die Gemeinde in Ephesus wunderbar zur Sprache: «Wir sind Mitbürger der Heiligen!» Das heisst: Verbundene und Nachahmerinnen und Nachahmer von jenen, die restlos ihr Leben und ihre Hingabe, ihr Opfer und ihren Einsatz Gott gewidmet haben. Irgendein Amt in der Kirche zu bekleiden, bedeutet weniger Ehre, als ein dringender Ruf nach Heiligkeit. Wir sind – sagt Paulus – «Gottes Hausgenossen». Wir können nicht in Innerlichkeit und Heiligkeit wachsen, wenn wir nicht einen tiefen Sinn für Gemeinschaft und Geschwisterlichkeit haben. Das Haus Gottes ist kein Haus für Individualisten. Die Eingliederung in das Kathedralkapitel bedeutet nicht zuletzt, sich der brüderlichen Verbundenheit mit den anderen Domherren und mit dem ganzen Volk Gottes bewusster zu werde. Es handelt sich um den Tempel Gottes – lebendig durch und durch – gebildet aus lebendigen Steinen, der weiterwachsen soll.

Im Amt installierte Domherren, Priester, Päpste, Bischöfe, Getaufte, alle sind berufen, lebendige Wohnung Gottes zu sein. Unsere Herzen sollten Orte sein, an denen sich Gott wohlfühlt. Auf Kathedralen kann er verzichten, auf unsere Herzen will er nicht verzichten. Vor allem dort beginnt der Gottesdienst. Ich werde einen Bischof aus Kamerun nicht vergessen, der mich letztes Jahr besuchte. Ich zeigte ihm die Kathedrale. Er war natürlich sehr beeindruckt und schätzte die ehrwürdige Geschichte der Kathedrale. Beim anschliessenden Mittagessen holte er sein Handy und zeigte mir ein Bild. Es war eine Wiese, umrahmt von Wald. Er erklärte mir: Das ist meine Kathedrale. Bis jetzt hatten sie keine Mittel, um eine eigentliche Kathedrale zu bauen. Dies hat mich sehr nachdenklich gemacht.

Wie Paulus schreibt, sollten wir alle «im Geist zu einer Wohnung Gottes erbaut» werden. Das ganze Bistum, alle Gläubigen sollten einträchtig, zusammen eine Kathedrale, einen Ort des Herrn, ein Zuhause Gottes, offen für alle Menschen bilden. In dieser Hinsicht – würde ich meinen – dass unsere Diözese eine spirituelle Erneuerung braucht, das was der hl. Papst Paul VI. zum Ausdruck brachte, als er sagte: Die Welt braucht ein Supplement an Seele.

Liebe Domherren, möge Gott euch anspornen, ein Beispiel von Gottesverbundenheit, Heiligkeit und Geschwisterlichkeit für unser Bistum zu sein. Möge Gott uns allen die Gnade schenken, in unserer Verbundenheit mit Christus zu wachsen, sodass die Gläubigen sich ihrerseits motiviert und inspiriert fühlen, ihre Verbundenheit mit dem Herrn zu vertiefen. Die Patronin unserer Kathedrale, die Mutter Gottes, Beschützerin unseres Domkapitels, ist durch ihre Heiligkeit Ansporn aller Generationen von Christinnen und Christen. Sie wird uns immer ermutigen, das zu tun, was Christus von uns erwartet. Amen

 

Chur, 8. Juni 2026

Joseph Maria Bonnemain
Bischof von Chur

 

 

Peter Aregger (Jg. 1968):

In Luzern geborgen, wuchs Peter Aregger in Littau auf. Nach der regulären Schulzeit machte er die Lehre als Schreiner. Nach zwei weiteren Berufsjahren diente er der Päpstlichen Schweizergarde von 1990 bis 1992. Das Theologie- und Philosophiestudium absolvierte er an der Theologischen Hochschule in Chur, welches er im Jahr 2000 abschloss.

Das Pastoraljahr und Diakonat vollendete Peter Aregger in den Pfarreien Laax und Falera und wurde am 9. Juni 2001 in Chur von Bischof Amédée Grab zum Priester geweiht. Bis 2013 war er als Vikar, Pfarradministrator und Pfarrer in Laax und Falera tätig. Seit September 2013 ist er  für die Pfarreien Degen, Morissen, Vella und Vignogn verantwortlich. 2024 wurde er vom Dekanat Surselva zum Dekan gewählt.

 

Jochen Folz (Jg. 1971):

In Tübingen, Rom und Heidelberg studierte er Theologie, Philosophie und Geschichte und promovierte in Chicago. Von 2002 bis 2005 wirkte er als Pfarradministrator im Wallfahrtsort Haindling sowie anschliessend bis 2012 als Pfarrvikar in der Münchner Stadtpfarrei St. Peter am Marienplatz. 2009 wurde er Militärpfarrer beim Sanitätsdienst sowie ab 2011 Militär- und Hochschulseelsorger und Dozent für Ethik an der Bundeswehruniversität München. 2012 ist Jochen Folz zum Militärdekan ernannt worden. Von 2017 bis 2019 war er Pfarrer in Vaduz. Anschliessend absolvierte er ein Masterstudium im Wirtschaftsrecht mit Schwerpunkt im Stiftungswesen und wurde dann im Ordinariat für die Stiftungsaufsicht zuständig sowie Dombenefiziat an der Kathedrale. 2023 ist er zum Bischofsvikar sowie zum Moderator Curiae ernannt worden.

 

Fotos: Luis Varandas, Bernhard Willi, Nicole Büchel

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