Ostern - Halleluja!

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Liebe Mitbrüder, liebe Schwestern und Brüder

Alle, Frauen und Männer, dachten – als sie das leere Grab fanden – an alles andere als an die Auferstehung des Herrn. Maria von Magdala dachte zuerst, dass der Leichnam weggenommen bzw. gestohlen wurde. Als Jesus ihr erschien, verwechselte sie ihn mit dem Gärtner. Petrus und Johannes liessen sich nur zögernd vom leeren Schweisstuch und von den leer liegenden Leinenbinden überzeugen. Alle Apostel waren anfänglich alles als überzeugt von der Auferstehung des Herrn. Berichte und Erzählungen anderer haben nur eine halbe Überzeugungswirksamkeit.

Petrus wird jedoch einige Zeit später – wie wir in der Lesung aus der Apostelgeschichte hörten – mit überzeugendem Grossmut und verblüffender Gewissheit verkünden: «Gott aber hat ihn am dritten Tag auferweckt und hat ihn erscheinen lassen, zwar nicht dem ganzen Volk, wohl aber den von Gott vorherbestimmten Zeugen: uns, die wir mit ihm nach seiner Auferstehung von den Toten gegessen und getrunken haben. Und er hat uns geboten, dem Volk zu verkünden und zu bezeugen: Dieser ist der von Gott eingesetzte Richter der Lebenden und der Toten. Von ihm bezeugen alle Propheten, dass jeder, der an ihn glaubt, durch seinen Namen die Vergebung der Sünden empfängt

Im Herrn Geliebte, wir sind dazu berufen – wie die Apostel damals – Verkündende der Frohbotschaft zu sein. Um dies überzeugt und überzeugend zu tun, brauchen wir beides: die Zeugnisse, die Erzählungen, die Berichte, die Heilige Schrift, die Tradition der 2000-jährigen Christentums-Geschichte, die Verkündigung des Lehramtes – all das wäre aber ungenügend, wenn wir nicht zugleich eine persönliche Begegnung mit dem Auferstandenen erfahren würden. Wir können dem Auferstandenen persönlich begegnen im Gebetsleben, in der Kontemplation, im Gebet, beim Empfang der Sakramente, im Gottesdienst und auch in der Begegnung mit den Mitmenschen, welche auch Gottesbegegnung sein sollte.

Nur so – als weitere Glieder in der Fortsetzung jener, die an die Auferstehung Jesu glaubten – können wir trotz den Abgründen der Schrecklichkeiten, die gegenwärtig die Welt erschüttern und die Herzen der Menschen niederdrücken Zuversicht, Hoffnung und Frieden verkünden. Der Apostel Paulus fordert auf: «Richtet euren Sinn auf das, was oben ist, nicht auf das Irdische! Denn ihr seid gestorben und euer Leben ist mit Christus verborgen in Gott.» Es ist gut und erforderlich, dass wir unseren Sinn auf das Irdische richten, nur insofern aber, dass unser Sinn gleichzeitig auch ganz auf Gott gerichtet bleibt. Wir sind eingeladen, mit beiden Füssen auf dem Boden zu stehen und gleichzeitig mit Herz und Gesinnung, mit Verstand und Willen mit dem Herrn des Lebens und des Lichtes, der Liebe und des Friedens verbunden zu bleiben. Die Welt hat solche Christinnen und Christen dringend nötig: Frauen und Männer, die mit den absolut irrigen Mächtigen, die Kriege entfachen, nicht mitmachen, sondern vielmehr als Botschafterinnen und Botschafter der auferstandenen, universellen Geschwisterlichkeit wirken.

Wir neigen dazu, den Ursprung des Unheils in fernen Hauptstädten und fremden Ideologien zu suchen. Doch die Wahrheit ist unbequemer: Der Krieg beginnt hier – in meinem Herzen und in deinem Herzen.

Aber die gute Nachricht lautet: Auch der Friede beginnt genau dort – in meinem Herzen und in deinem Herzen.

Solange wir uns die Lüge erlauben, ein Krieg könne „gerechtfertigt“ sein, wird der Friede ein Fremder auf dieser Erde bleiben. Auch wir in der Schweiz sind nicht ausgenommen. Wir brauchen keinen Rüstungswettlauf der Worte und der Kriegsmaschinerie, sondern eine Revolution der Selbsterziehung. Wagen wir den Umbruch im eigenen Denken! Wer in den letzten Wochen auf die Schlachtfelder der Welt blickte und dachte: „Es gibt keinen anderen Weg“, der hat bereits kapituliert.

Nur im Licht des Ostertages wage ich zu sagen: Hören wir auf, das Unentschuldbare zu rechtfertigen:

Jeder getötete Muslim ist einer zu viel.

Jeder getötete Christ ist einer zu viel.

Jeder getötete Jude ist einer zu viel.

Jeder getötete Atheist ist einer zu viel.

Jedes ausgelöschte Leben ist ein Verrat an der Menschlichkeit.

Ostern ist kein leises Fest der Vergangenheit. Es ist die lautstarke Botschaft an jeden Einzelnen: Gott ist der Friede – und dieser Friede gilt ausnahmslos allen. Rechtfertigen wir das Töten nicht mehr; nicht heute, nicht morgen, nie mehr!

Resignieren wir nicht vor der Logik der Gewalt. Entfachen wir stattdessen etwas weit Grösseres, etwas Heiliges: Die christliche Rebellion der weltumfassenden Geschwisterlichkeit.

 

Chur, 5. April 2026

Joseph Maria Bonnemain
Bischof von Chur

 

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