Fatima-Schiffswallfahrt auf dem Bodensee
Liebe Mitbrüder
Liebe Pilgerinnen und Pilger
Liebe Schwestern und Brüder
Wir wollen mit dieser Pilgerfahrt auf dem See vor allem Maria, Königin des Friedens, um Frieden in unserer Welt bitten. Sie ist, als Mutter unseres Herrn, vor aller und jeglicher Sünde bewahrt worden, wie wir es im Tagesgebet zum Ausdruck gebracht haben. Ihr Herz kannte kein Umfrieden, da sie keine Sünde kannte. Der Friede beginnt im Herzen und die Kriege beginnen auch dort. Die Sünde ist die Quelle der Kriege und die Kriege sind Sünde. Ganz deutlich sagte der Heilige Vater vor Kurzem: Gott segnet keinen Krieg, Gott segnet keine Aufrüstung. Unser heutiges flehendes Gebet für den Frieden sollte von unserer Entschlossenheit begleitet sein, aus unseren Herzen alle Gedanken der Aggression, der Spaltung, der Zwietracht, der Rache, der Vergeltung, der Antipathie, der Ausgrenzung, des Neides und der Gewalt herauszunehmen. Nur so wird unser Gebet vor der Mutter Gottes wirksam sein können.
Wir feiern heute das Hochfest ihrer Aufnahme in den Himmel - und zwar mit ihrem ganzen Menschsein. Auch Christus ist mit seinem verklärten menschlichen Sein in den Himmel aufgefahren. Diese Gegenwart des Menschseins des Sohnes Gottes im Himmel ist das Wichtigste und die Grundlage für das, was dann mit Maria geschah.
Als Jesus nach seiner Auferstehung den Jüngerinnen und Jüngern erschien, zeigte er ihnen seine Hände und seine Füsse und sagte: «Seht meine Hände und meine Füsse an: Ich bin es selbst. Fasst mich doch an und begreift: Kein Geist hat Fleisch und Knochen, wie ihr es bei mir seht» (Lk 24, 39-40) und zum Skeptiker Thomas sagte er: «Streck deinen Finger hierher aus und sieh meine Hände! Streck deine Hand aus und leg sie in meine Seite und sei nicht ungläubig, sondern gläubig!» (Joh 20, 27).
Der ganze Christus – mit Leib und Geist, mit seiner Menschheit und Göttlichkeit – ist schliesslich in den Himmel aufgefahren. Er ist glorreich im Himmel und trägt verklärt all die Zeichen und Narben der Passion. Es sind die Aufzeichnungen seiner Liebe und Hingabe. Wir können daher wissen, dass alle Wunden und Narben, Leiden und Schmerzen, Kränkungen und Gebrechen, welche zu unserem irdisch menschlichen Dasein und Sosein gehören, dereinst verklärt durch das göttliche Leben und die göttliche Liebe – wie bei Jesus – aufstrahlen werden im Himmel. Wir werden verwandelt, wir werden unsterblich in Christus und durch Christus, aber doch mit unserer
werden in Christus alle lebendig gemacht werden. Es gibt aber eine eigenen Identität, wir ganz. Darin besteht die Herrlichkeit der christlichen Botschaft. Das Evangelium, die Frohbotschaft ist eine Person: Jesus Christus, Mensch und Gott. In Christus wurde das Menschliche für immer bestätigt, bejaht, vergöttlicht. Nichts, was wahrhaft menschlich ist, wird vor der Gegenwart Gottes ausgeklammert. Das Christentum ist inkarniert: «Und das Wort ist Fleisch geworden». Wir bekennen es immer im Glaubensbekenntnis, am Schluss sagen wir, dass wir an die «Auferstehung der Toten und das ewige Leben» glauben.
Diese vollkommene Aufnahme und Eingliederung des ganzen Menschen in den Himmel – den Fussstapfen Christi folgend – ist die Realität, die wir mit dem Hochfest Maria Aufnahme in den Himmel feiern. Maria ist – wie Christus – ganz mit Leib und Seele, Körper und Geist für immer mit Gott vereint im Himmel. Was wir heute feiern, verkündet das, was wir alle bei der Vollendung unserer menschlichen Existenz erleben werden. Wie Paulus sagt: «Denn wie in Adam alle sterben, so bestimmte Reihenfolge: Erster ist Christus; dann folgen, wenn Christus kommt, alle, die zu ihm gehören». Maria gehörte von Anfang an ganz besonders zu Christus und ist deswegen die erste, welche wie er und mit ihm die Verklärung und Verherrlichung des Leibes erfuhr. An ihr wird offenbar, was uns verheissen ist, was auch uns geschenkt wird. Die Offenbarung des Johannes zeigt uns in einem eindrücklichen Bild die Vollendung der Mutter Gottes: «Dann erschien ein grosses Zeichen am Himmel: eine Frau, mit der Sonne bekleidet; der Mond war unter ihren Füssen und ein Kranz von zwölf Sternen auf ihrem Haupt». Wir dürfen aber dabei nicht die Realität des Irdischen ausblenden. Auch Maria ist im Himmel mit all den Zeichen, welche die Leiden der vergänglich-diesseitigen Existenz in ihr hinterlassen haben. Gott hat Grosses an ihr getan, indem er sie vollendet hat. Sie bleibt jedoch die demütige Magd des Herrn und wird von allen Geschlechtern seliggepriesen, weil sie ihre Niedrigkeit bejaht.
Ich weiss nicht, ob Sie alle das prächtige spätgotische Retabel am Hochaltar unserer Kathedrale in Chur aus dem 15. Jahrhundert kennen. Auf jeden Fall – im oberen Feld des Retabels – sieht man, wie die Dreifaltigkeit feierlich Maria krönt. Dennoch: ganz oben, auf der Spitze des Retabels ist wieder die Dreifaltigkeit abgebildet und links davon sieht man eine schlichte, demütige Figur der Mutter Gottes – kniend – ohne Krone – ohne Pracht – ohne Prunk – anbetend und betend für uns Menschen. Dies ist die wahre Krönung, die wahre Grösse, die demütige Anbetung Gottes und das glaubens- und hoffnungsvolle Fürbittgebet für die Menschen. Die berühmte Benediktinerin und Dichterin Silja Walter hat darüber wunderbar geschrieben.
Das Leiden des Herrn, alles, was er aus Liebe zu uns Menschen auf sich genommen hat – die Dornen, die Nägel, die Lanze, die Verhöhnung, die Verspottung, die Peitschenhiebe – haben im Herzen der Mutter Gottes tiefe Spuren hinterlassen. Maria ist glorreich im Himmel gegenwärtig und von ihr strahlt aus, was sie aus Liebe zu ihrem Sohn gelitten hat. Was sie auf Erden aus Liebe und mit Liebe gelebt hat, das hat auch Platz im Himmel. Sie ist dort auch uns in Liebe zugetan. Der göttliche Vater sieht alles, was sie vereint mit Christus aus Liebe zu uns gelitten hat. So ist sie die Mutter der Barmherzigkeit und unsere Anwältin.
Wenn unser Leben schwierig, schmerzhaft und der Lebensweg steil wird, hoffen wir, dass diese Situationen sich lichten, dass diese Lebensengpässe in himmlische Auszeichnungen verwandelt werden. Mögen alle Menschen, die gegenwärtig in den zahlreichen Kriegsregionen Grausames durchmachen müssen, unter dem Schutz Marias die Hoffnung auf Frieden und Heil nicht verlieren.
Liebe Schwestern und Brüder, einmal hörte ich ein italienisches Lied am Radio. Da hiess es unter anderem: «per ogni lacrima nasce una stella», übersetzt: «für jede Träne wird ein Stern geboren». Die Tränen sind nicht das Endgültige im Leben, sie sind Durchgang zur Vollendung. Christus hat auf Erden gelitten und Maria ist eine im Leiden erfahrene Mutter. Bejahen auch wir unsere Biografie mit all ihren Tiefen und Höhen, denken wir daran, dass im Himmel unsere Lebensgeschichte aufgezeichnet ist. Sie wird nicht ausgelöscht, sondern verwandelt und vollendet. Wir werden nach und nach entdecken dürfen, dass alles einen Liebessinn gehabt hat. Möge Maria uns darin bestärken und bestätigen. Amen.
Bodensee, 15. August 2026
Joseph Maria Bonnemain
Bischof von Chur
Fotos: Nicole Büchel
830 Pilger aus drei Ländern beten auf dem Bodensee für den Frieden
Am Hochfest Mariä Himmelfahrt, Samstag, 15. August 2026, ist auf dem Bodensee die Internationale Fatima-Schiffsprozession für den Frieden gefahren. 830 Menschen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz waren an Bord der MS Sonnenkönigin, die um 17.00 Uhr vom Hafen Bregenz ausfuhr. Hauptzelebrant des feierlichen Pontifikalamtes war Bischof Joseph Maria Bonnemain, Bischof von Chur. Nach sechsjähriger Pause hat die kirchliche Stiftung AVEMARIA die Wallfahrt zu Wasser wieder aufgenommen. Der Anlass war lange im Voraus ausverkauft — deutlich mehr Menschen hätten ein Ticket gewollt, als das Schiff aufnehmen konnte.
Aus einem Ausflugsschiff wurde eine Kathedrale
Für einen Nachmittag und Abend wurde die MS Sonnenkönigin zur schwimmenden Kathedrale: Pontifikalamt mit Orgel, Chor und Weihrauch, gefeiert auf dem Hauptdeck, umgeben vom See und von den Ufern dreier Länder.
Mit Bischof Bonnemain konzelebrierten Generalvikar Dr. Hubert Lenz aus Feldkirch für die Diözese Feldkirch und Rektor Georg Alois Oblinger vom Heiligtum Marienfried für Deutschland — damit waren alle drei Anrainerländer auch kirchlich vertreten. Über zehn weitere Priester konzelebrierten, dazu kamen Ordensbrüder und Ordensschwestern.
Auffallend war die Durchmischung der Teilnehmenden: An Bord waren nicht nur langjährige Wallfahrer, sondern auch zahlreiche Familien mit Kindern — für die Jüngsten war ein eigener Kinderhort eingerichtet. Vier Busse brachten Gruppen aus Deutschland und der Schweiz nach Bregenz. Als Ehrengäste begleiteten Vertreterinnen und Vertreter der Partnerorganisationen die Fahrt, unter anderem von Missio Österreich, KIRCHE IN NOT und FE-Medien. Unter den 830 Mitfahrenden waren 70 freiwillige Helferinnen und Helfer, die von der Einschiffung über Liturgie, Technik und Verpflegung bis zur Ausschiffung im Einsatz standen.
Der Segen über drei Länder — kurz vor dem Sturm
Höhepunkt der Fahrt war die eucharistische Anbetung. Nach dem Weihe- und Segensgebet über die drei Länder trug der Bischof das Allerheiligste in einer Prozession auf das Sonnendeck und erteilte von dort — in Stille, ohne Worte, allein mit der Monstranz — den dreifachen Segen über Deutschland, Österreich und die Schweiz. Das Bild wurde live auf die Leinwand im Hauptdeck übertragen.
Das Wetter schlug dabei wider Erwarten um. Der Bischof konnte den Segen gerade noch vollziehen; unmittelbar danach musste das Sonnendeck wegen Sturmmeldung und auffrischendem Wind geschlossen werden. Die MS Sonnenkönigin trotzte den Böen ohne Probleme. Im Innern des Schiffes erneuerten die Pilgerinnen und Pilger anschliessend die Weihe an das Unbefleckte Herz Mariens.
Rosenkranzbündnis: 150 Einschreibungen — und mehr Andrang als Platz
Im Zentrum des Tages stand die Eröffnung des Rosenkranzbündnisses: eines Gebetsbundes von Menschen aus drei Ländern, die sich freiwillig verpflichten, täglich den Rosenkranz zu beten — für den Frieden im Kleinen wie im Grossen, für die Reinheit der Herzen und den Schutz des Lebens sowie für die Erneuerung der Kirche.
Das Bündnisbuch war am 13. Februar 2026 — am 150. Jahrestag der Gründung der Rosenkranzbruderschaft durch den heiligen Bartolo Longo — zu Füssen seines Grabes in Pompeji niedergelegt worden. An Bord schrieben sich 150 Personen eigenhändig ein. Der Andrang am Stand war so gross, dass sich viele nicht mehr eintragen konnten; eine Anmeldung ist weiterhin möglich unter rosenkranz-buendnis.net. Jedes Mitglied erhält einen Bündnis-Rosenkranz aus Olivenholz aus Bethlehem, der an der Reliquie des heiligen Bartolo Longo berührt wurde; am 13. jeden Monats, dem Fatima-Tag, wird für alle Mitglieder eine heilige Messe gefeiert. Die Reliquie war während der Fahrt im Altarraum ausgestellt.
Den geistlichen Hintergrund erschloss der römische Theologe Prof. Dr. Dr. Ralph Weimann in einem Vortrag an Bord. Er knüpfte an das Traumbild des heiligen Don Bosco von 1862 an, in dem das Schiff der Kirche im Sturm nur dort Halt findet, wo es an zwei Säulen festmacht: an der Eucharistie und an Maria, der Hilfe der Christen. Das Rosenkranzbündnis nannte Weimann «in gewisser Weise vergleichbar mit einem Investment in die Ewigkeit».
Den Abschluss gestaltete das Geschwister-Ensemble Harpa Dei: Mit Gesängen aus Sprachen und Traditionen der ganzen Weltkirche berührte es die Zuhörerinnen und Zuhörer spürbar.
Stimmen
In seiner Predigt wies Bischof Bonnemain darauf hin, dass Christus die Zeichen seines Leidens auch in seinem verklärten Leib bewahrt hat — und dass man Ähnliches von Maria annehmen dürfe, die so sehr mitgelitten hat.
Am späten Abend, nach dem Ende der Fahrt, sagte der Bischof, die Prozession habe ihm nicht nur gefallen — er sei selbst davon berührt worden.
Benjamin Aepli, Geschäftsführer von AVEMARIA, sagte in seiner Eröffnungsansprache: «Dieser Tag soll kein Anlass sein. Er soll ein Anfang sein.» Und zum Schluss: «Nicht wir haben Maria auf diesen See gebracht. Sie hat uns alle hierher eingeladen.» Als Massstab für das Gelingen des Tages nannte er nicht die Fahrt selbst, sondern die Frage, ob die Teilnehmenden den Rosenkranz auch in einem Jahr noch täglich beten.
In den Tagen nach der Fahrt erreichten AVEMARIA zahlreiche Rückmeldungen von Teilnehmenden: Der Segen dieses Abends sei für die ganze Pilgerschaft spürbar gewesen; viele gingen reich erfüllt nach Hause.
Zur Internationalen Fatima-Schiffsprozession für den Frieden
Die Internationale Fatima-Schiffsprozession für den Frieden ist eine Wallfahrt zu Wasser auf dem Bodensee. Begonnen hat sie 1981: Mitten im Kalten Krieg fuhr der Bludenzer Schreiner Ferdinand Andreatta mit einer Fatima-Statue auf den See hinaus — ohne Amt und ohne Gremium, in der Überzeugung, dass Beten in einer solchen Zeit nicht Ohnmacht sei, sondern das Wirksamste, was ein Mensch tun kann. Sein Sohn Thomas Andreatta hat die Verantwortung der kirchlichen Stiftung AVEMARIA übertragen, die die Prozession 2026 nach sechsjähriger Pause wieder aufgenommen hat. Thomas Andreatta war am Samstag an Bord, ebenso Elfie und Harald Madlener, die die Fahrt über viele Jahre organisiert haben und die Vorbereitung dieses Jahres mit ihrer Erfahrung begleiteten. Informationen: fatima-schiffsprozession.net
Über AVEMARIA
AVEMARIA ist eine kirchliche Stiftung (Stiftung Mission Maria) mit Sitz in St. Margarethen TG, errichtet im Bistum Basel. Ihr Auftrag: Maria zu den Menschen bringen — als Mutter, als Fürsprecherin und als Leitstern in stürmischer Zeit, damit Menschen bei ihr Zuflucht finden und den Weg zu Gott. Informationen: ave-maria.net
Partner
KIRCHE IN NOT
(Schweiz und Deutschland), Missio Österreich, K-TV, FE-Medien, Die Schweiz betet, Katholische Landeskirche St. Gallen, Pfänderbahn Bregenz.
Bildmaterial
Bilder in Druckauflösung, honorarfrei zur Berichterstattung über diese Veranstaltung: https://apps.scrappbook.de/SJxo4aHkwzx —Bildnachweis: Michael Rippas Fotografie. K-TV hat den Tag aufgezeichnet.
Medienkontakt
AVEMARIA · Benjamin Aepli, Geschäftsführer · Sedel 5, 9543 St. Margarethen TG, Schweiz · +41 71 543 60 56 · info@ave-maria.net
Medienmitteilung AVEMMARIA