s Grusswort von Bischof Peter Bürcher, Apostolischer Administrator des Bistums Chur, anlässlich der Konstituierenden Sitzung der 10. Amtsdauer der Synode der Römisch-katholischen Körperschaft des Kantons Zürich im Rathaus Zürich am Donnerstag 4. Juli 2019 | Bistum Chur
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Grusswort von Bischof Peter Bürcher, Apostolischer Administrator des Bistums Chur, anlässlich der Konstituierenden Sitzung der 10. Amtsdauer der Synode der Römisch-katholischen Körperschaft des Kantons Zürich im Rathaus Zürich am Donnerstag 4. Juli 2019

Sehr geehrte Damen und Herren
Sehr geehrter Herr Delegierter Dr. Annen

Grüss Gott! Ich bedanke mich herzlich für die spontane Einladung, heute hier bei Ihnen zu sein und ein Grusswort an Sie richten zu dürfen. Sie haben mich sozusagen ins politische Zentrum des Kantons Zürich eingeladen. Denn hier im Rathaus tagt ja auch der Kantonsrat, das Parlament des Kantons Zürich. Es war das grosse Anliegen von Alfred Teobaldi, der von 1956 bis 1969 der erste Generalvikar des Bischofs von Chur für den Kanton Zürich war, dass die katholische Kirche und ihre Gläubigen mitten in der Gesellschaft dieses lange Zeit protestantischen Kantons ankommen und präsent sind. Und das ist heute der Fall.

Ich komme mir deshalb fast ein bisschen mutatis mutandis vor, wie der Apostel Paulus, der in Athen auf den Areopag eingeladen wurde, das damalige politische und gesellschaftliche Zentrum. Der heilige Paulus ging dorthin, um Christus zu verkünden. Es war seine Mission, zu den Menschen von Gott zu sprechen (vgl. Apg 17,16-34). Das war auch der Wunsch von Alfred Teobaldi: Christus mitten in der Gesellschaft des Kantons Zürich zu verkündigen. Die Verkündigung Jesu Christi in einer globalisierten Welt ist heute auch das grosse Anliegen von Papst Franziskus. In seinem programmatischen Schreiben «Evangelii Gaudium» hat er gesagt: «Ich träume von einer missionarischen Entscheidung, die fähig ist, alles zu verwandeln, damit die Gewohnheiten, die Stile, die Zeitpläne, der Sprachgebrauch und jede kirchliche Struktur ein Kanal werden, der mehr der Evangelisierung der heutigen Welt als der Selbstbewahrung dient» (EG 27).

Im Sinne von Papst Franziskus, im Geiste des Apostels Paulus und auch gemäss dem, was Alfred Teobaldi sich für die Zürcher Katholiken wünschte, bin ich deshalb heute hierhergekommen, um Ihnen zu danken für jedes evangelisierende, christliche Zeugnis, das Sie geben in diesem Kanton, in der Gesellschaft des Kantons Zürich. Und ich bin hierhergekommen, um Sie von neuem zu diesem christlichen Zeugnis zu ermutigen. Dieses Zeugnis ist heute nicht einfach. Auch Papst Franziskus weiss das, wenn er schreibt: «Die Medienkultur und manche intellektuelle Kreise vermitteln gelegentlich ein ausgeprägtes Misstrauen gegenüber der Botschaft der Kirche und eine gewisse Ernüchterung. Daraufhin entwickeln viele in der Seelsorge Tätige, obwohl sie beten, eine Art Minderwertigkeitskomplex, der sie dazu führt, ihre christliche Identität und ihre Überzeugungen zu relativieren oder zu verbergen. (…). Schließlich ersticken sie die Missionsfreude in einer Art Besessenheit, so zu sein wie alle anderen und das zu haben, was alle anderen besitzen» (EG 79).

Sehr geehrte Damen und Herren, was wir angesichts dessen brauchen, ist eine Haltung, wie sie z. B. mein Mitbruder Bischof Charles Morerod von Lausanne, Genf und Freiburg beschreibt: «Prenons le temps de sortir de nos cercles ‒ voire de nos ‘ghettos’ ‒ pour faire connaître Dieu à l’extérieur!». J’aimerais ajouter personnellement à ce qu’il vient de dire: oui, cela peut être vu comme un écho aux prises de position réitérées du Pape François nous demandant d’aller aux périphéries non seulement géographiques mais aussi existentielles et par lesquelles il veut donner un nouvel élan à notre Eglise. Selon une saine théologie du laïcat, je vois aujourd’hui dans cette orientation nouvelle la mission principale des laïcs, femmes et hommes baptisés. Leur place prioritaire n’est pas à la sacristie ni dans le service liturgique mais dans leur famille et sur leur lieu de travail. C’est là qu’ils doivent prioritairement témoigner de Jésus-Christ, tout en se ressourçant bien sûr dans les Sacrements de l’Eglise et notamment dans l’Eucharistie, Source et Sommet de la vie chrétienne![i]

Als Christen müssen wir hinaus aus den Mauern! Wir sind als Bischöfe, Priester, Diakone und besonders als Laien – alle – miteinander und in der Einheit der Kirche, Zeugen für Jesus Christus – draussen, mitten in der Gesellschaft. Haben wir den Mut, uns zu zeigen, Zeugnis zu geben für Jesus Christus, wie er seit 2000 Jahren verkündet wird von seiner Kirche! Schon als Kind, im damals reformierten Kanton Waadt, habe ich die Ökumene konkret erfahren und leben können. Ich hatte keine Angst, Oberwalliser und katholisch zu sein…! Ich war und bin glücklich, katholisch zu sein!

Wenn hier Vertreter aller Pfarreien des Kantons Zürich anwesend sind, dann rufe ich ihnen als Apostolischer Administrator des Bistums Chur und als Bischof zu: Bringt diese Frohe Botschaft in alle katholischen Pfarreien des Kantons! Seid zuerst selbst glaubwürdige Zeugen für Jesus Christus und ermutigt eure Schwestern und Brüder, es auch zu sein! Habt – wie der Apostel Paulus – Mut, auf dem Areopag dieser Welt Jesus Christus zu verkündigen! Genau das war auch die Intention von Alfred Teobaldi. Denn anlässlich des Zürcher Katholikentags am 22. Oktober 1950 rief er den Protestanten zu: «Ihr könnt Zürich nicht mehr reformiert machen, und auch wir können Zürich nicht katholisch machen, aber wir können, als gläubige Protestanten und gläubige Katholiken vereint, Zürich wieder christlicher machen!».

Sehr geehrte Damen und Herren, lassen Sie mich, in dieser für unser  Bistum, Zürich natürlich inbegriffen, so bedeutsamen Zeit, schliessen mit einem Wort von Papst Franziskus, das er vor genau einer Woche gesprochen hat: «Die Frucht der Ausgießung des Geistes an Pfingsten war, dass viele Menschen das Heil in Christus annahmen und die Taufe empfingen. Der Evangelist Lukas stellt uns die Kirche von Jerusalem als Vorbild jeder christlichen Gemeinschaft vor Augen, die sich durch das Leben in Brüderlichkeit als Familie Gottes auszeichnet und Nährboden für das Werk der Evangelisierung wird. Die ersten Christen hörten auf die Unterweisung der Apostel, teilten die geistlichen und materiellen Güter miteinander, brachen das Brot und sprachen im Gebet mit Gott. Der Individualismus wurde so zugunsten der Einheit und der Nähe zueinander überwunden» (Generalaudienz vom 26. Juni 2019). Und in den Anfängen der Kirche sagten sogar die Heiden: «Seht, wie sie einander lieben!» (vgl. Apologeticus, 39 §7).

Meine Lieben, ich hoffe nicht, dass mir heute das passiert, was der hl. Paulus in Athen hören musste: «Darüber wollen wir dich ein andermal hören!» (Apg 17,32). Erlauben Sie mir deshalb bitte, das zum Schluss noch zu sagen: Tragen Sie das Ihre bei zur Einheit der Kirche! Seien Sie sich bei Ihren Tätigkeiten stets bewusst, dass wir Teil der grossen, weltweiten Kirche sind, die nicht unsere Kirche ist, sondern die Kirche Jesu Christi. Denn es ist und bleibt so, wie es der Apostel Paulus gesagt hat: «Einen anderen Grund kann niemand legen als den, der gelegt ist: Jesus Christus» (1 Kor 3,11). Nur in Christus, wie ihn die Kirche verkündet, ist Einheit. «Christus ist unser Friede!» (vgl. Eph 2,14).

Vor einigen Tagen sagte ich zu einer Person: «Als Apostolischer Administrator kann ich in ein paar Monaten keine Wunder wirken…!». Sie antwortete mir: «Aber wir können wunderbare MitarbeiterInnen sein!». Ja, ich will Ihnen allen zuhören und mit Ihnen zusammen dienen, zur Freude der ganzen Kirche! In diesem Geiste ermutige ich Sie von ganzem Herzen zu einem wunderbaren christlichen Zeugnis im Kanton Zürich! Ich danke Ihnen.


[i] «Nehmen wir uns die Zeit, aus unseren Kreisen heraus ‒ sogar aus unseren ‚Ghettos’ ‒ heraus zu kommen, um Gott draussen bekannt zu machen!» Ich möchte dem persönlich hinzufügen, was er gerade gesagt hat: Dies kann als ein Echo der wiederholten Aussagen von Papst Franziskus angesehen werden, die uns auffordern, nicht nur geografisch, sondern auch existenziell an die Peripherien zu gehen, mit denen er unserer Kirche neue Impulse geben will.
Gemäss einer soliden Theologie der Laien sehe ich heute in dieser neuen Ausrichtung die Hauptaufgabe der getauften Laien, Frauen und Männer. Ihr vorrangiger Ort ist nicht die Sakristei oder der liturgische Dienst, sondern ihre Familien und der Arbeitsplatz. Dort müssen sie vor allem Zeugnis für Jesus Christus geben und natürlich durch die Sakramente der Kirche, insbesondere der Eucharistie, Quelle und Höhepunkt des christlichen Lebens, ihre Batterien aufladen!

 

 

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