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Homilie von Bischof Peter Bürcher am 9. Dezember 2019 in der Klosterkirche von Disentis, Hochfest der ohne Erbsünde empfangenen Jungfrau und Gottesmutter Maria

Gnädiger, lieber Abt Vigeli,
Liebe Mönche,
Liebe Lehrerschaft, Liebe Schülerinnen, Liebe Schüler,
Liebe Schwestern und Brüder

In Freude und Dankbarkeit feiern wir heute das Hochfest der ohne Erbsünde empfangenen Jungfrau und Gottesmutter Maria. Ich danke von ganzem Herzen dem lieben Herrn Abt sowie Euch allen für Euren so liebevollen Empfang in Eurem Kloster und jetzt in Eurer so wunderschön restaurierten Klosterkirche hier in Disentis.

Die Glaubenslehre, dass Maria vom ersten Augenblick ihres Lebens an von aller Erbschuld frei war, wird zwar nicht ausdrücklich in der Heiligen Schrift ausgesprochen, doch wurden einige Aussagen der Schrift schon früh in dem Sinn verstanden, dass Maria das reinste, in einmaliger Weise von Gott bevorzugte Geschöpf war, die neue Eva, die ohne Sünde blieb und so zur „Mutter aller Lebenden“ werden konnte. Dabei bleibt klar, dass Maria auf natürliche Weise als Kind ihrer Eltern geboren wurde und dass auch sie alle Gnaden durch Jesus Christus, durch seinen Kreuzestod und seine Auferstehung, empfangen hat.

Es ist gut, uns heute an das Dogma zu erinnern, das wie folgt lautet: „Zu Ehren der Heiligen und Ungeteilten Dreifaltigkeit, zu Schmuck und Zierde der jungfräulichen Gottesmutter, zur Erhöhung des katholischen Glaubens und zur Mehrung der christlichen Religion, in der Autorität unseres Herrn Jesus Christus, der seligen Apostel Petrus und Paulus und der Unseren erklären, verkünden und definieren Wir: Die Lehre, dass die seligste Jungfrau Maria im ersten Augenblick ihrer Empfängnis durch ein einzigartiges Gnadenprivileg des allmächtigen Gottes, im Hinblick auf die Verdienste Jesu Christi, des Erretters des Menschengeschlechtes, von jedem Schaden der Erbsünde unversehrt bewahrt wurde, ist von Gott geoffenbart und darum von allen Gläubigen fest und beständig zu glauben.“ (Pius IX., Apostolisches Schreiben „Ineffabilis Deus“, verkündet am 8. Dezember 1854)

Ja, es ist gut, uns dieses für die Geschichte der katholischen Kirche wichtige Ereignis in Erinnerung zu rufen, das in wunderbarem Einklang mit diesem heutigen Fest in dieser Adventszeit steht. Die dogmatische Erklärung wurde am 8. Dezember 1854 im Petersdom in Rom vor 200 Kardinälen, Erzbischöfen und Bischöfen und einer grossen Menge von Gläubigen verkündet.

Meine Lieben, im ersten Augenblick ihrer Empfängnis, durch ein einzigartiges Gnadenprivileg des allmächtigen Gottes, im Hinblick auf die Verdienste Jesu Christi, des Erretters des Menschengeschlechtes, wurde die seligste Jungfrau Maria von jedem Schaden der Erbsünde unversehrt bewahrt. Dies ist unser Glaube, der Glaube der katholischen Kirche.

Die mutige Initiative von Papst Pius IX. bewirkte ein breites Echo in der ganzen Welt. „Oh, welche Freude!“, rief der Pfarrer von Ars aus, als er davon erfuhr. „Ich war immer der Meinung, dass dem Leuchten der katholischen Wahrheiten dieser Lichtstrahl fehlte!“

Was auch besonders bemerkenswert ist, und bisher in der Kirchengeschichte nie vorgekommen war, ist die Tatsache, dass dieses Dogma vom Himmel selbst bestätigt wurde. Es waren noch keine vier Jahre vergangen, als sich das Gerücht verbreitete, dass in einem Dorf in den Pyrenäen, in Lourdes, ein unschuldiges Mädchen Besuche und Botschaften einer geheimnisvollen „Dame“ erhielt. Die Sache wurde vom lokalen Klerus mit großem Argwohn beobachtet. „Sie soll sagen, wie sie heisst“, verlangte der Pfarrer Peyramale. „Wenn ich sie danach frage, lächelt sie und schweigt“, gab Bernadette zur Antwort.

Bernadette fasste jedoch gegen Ende der Erscheinungen nochmals den Mut, dreimal nach dem Namen der „Dame“ zu fragen. Und dieses Mal erhielt sie jene Antwort, die die ganze Kirche in Ergriffenheit versetzte: „Ich bin die Unbefleckt Empfangene“. Worte, die für Bernadette keinen Sinn machten und für sie sozusagen „Bahnhof“ hiessen, nicht aber für den Pfarrer Peyramale. Es bestand nun kein Zweifel mehr sowohl was die Aufrichtigkeit von Bernadette betraf, die solche Worte, die sie selber nicht verstand, nicht erfinden konnte, als auch bezüglich der Identität dieser geheimnisvollen „Dame“.

Mit den Worten „Ich bin die Unbefleckt Empfangene“ hebt Maria die Einzigartigkeit ihres Privilegs hervor: sie ist nicht eine, sondern die Unbefleckt Empfangene. Es gab keine vor ihr und es wird keine nach ihr geben.

Warum Maria? Jesus Christus ist zu uns gekommen durch Maria! Gewiss, Er ist „der einzige Mittler“ (1 Tim 2,5); Er ist ganz Gott und ganz Mensch und als solcher der Brückenbauer zwischen Gott und den Menschen! Aber Gott erlöst uns nicht ohne uns. Er sucht in der Heilsgeschichte immer die menschliche Mitwirkung. Wie er am Anfang des alten Bundes den Glauben Abrahams geweckt hat, so baut er auf das Ja-Wort Mariens bei der Stiftung des neuen Bundes, für die neue Schöpfung.

Meine Lieben, an diesem heutigen Hochfest, das in die Adventszeit fällt, lädt uns der Herr ein, Ihm den Weg zu bereiten. Seit Jahrhunderten, hier im schönen Disentis sowie in der ganzen Welt, verehren unzählige Menschen die Gottesmutter und beten zu ihr: „Gegrüsst seist Du, Maria, voll der Gnade. Der Herr ist mit Dir!“ „Bereitet dem Herrn den Weg!“, rief der Hl. Johannes der Täufer: Dieser Aufruf ist im Advent 2019 aktueller denn je. Jesus ruft auch uns, wie damals den Heiligen Petrus am See von Tiberias, voller Hoffnung weit hinaus zu fahren. Wir alle sind gerufen, wie Maria offen zu sein für die unzähligen Gnaden unseres Herrn, der kommen wird. So können wir voll Vertrauen und Dankbarkeit mit den Worten des Hl. Papst Johannes Paul II. beten:

„Möge das ganze Volk Gottes ‘in tiefe Gewässer’ aufbrechen, hin zur Heiligkeit, welche die entscheidende Voraussetzung ist, für ein fruchtbares Apostolat!“ Dies wünsche ich Euch allen von ganzem Herzen, durch die Fürsprache Mariens, der Unbefleckten. Amen.

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