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Homilie von Bischof Peter Bürcher am Pfingstsonntag, 31. Mai 2020 in der Kathedrale von Chur

«Dies ist der Tag, den der Herr macht; lasst uns freuen und fröhlich an ihm sein», sagt der Psalmist (Ps 118,24). Und ich sage es von ganzem Herzen mit ihm. Ja, heute bin ich mit Euch allen in grosser Freude!

Worin besteht unsere Freude? Seit heute dürfen wir wieder zur sonntäglichen Eucharistie zusammenkommen. «Ohne den Sonntag können wir nicht leben!», haben die Christen schon in den ersten Jahrhunderten gesagt. Denn die Eucharistie ist die Quelle und der Höhepunkt unseres ganzen christlichen Lebens. Dazu sind wir heute am Pfingstfest angekommen, welches fünfzig Tage nach Ostern die Erfüllung des Geheimnisses unseres Glaubens verwirklicht. Deshalb singt ein Lied: «Wir sind getauft auf Christi Tod; und auferweckt mit ihm zu Gott. Uns ist geschenkt sein Heilig Geist; ein Leben, das kein Tod entreisst».

Lange, zu lange mussten wir ohne öffentliche Gottesdienste leben. Diese schwierige Zeit hat uns aber auch neue Horizonte geöffnet. Ich bin erstaunt und erfreut, wie viele kreative Initiativen auf kirchlicher Ebene stattfinden konnten! Dazu nur ein Beispiel: Gegen 30 katholische Pfarreien und reformierte Kirchgemeinden sammeln in Zürich Lebensmittelpakete für die Bedürftigen Personen auf der Gasse. Zu Beginn teilten sie 70 Lebensmittelpakete pro Woche aus, heute sind es über 1’100. Mit seiner Zusicherung «Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan» (Mt 25,40) hat Jesus uns seine Gegenwart versprochen, wann immer wir den Bedürftigen helfen. So zu handeln, wie es in Zürich geschehen ist, war also ein Beispiel, wie wir in dieser schwierigen Pandemiezeit Jesus begegnen durften. Auch darüber hinaus haben wir viel Positives und Erbauendes in dieser Pandemiezeit bis jetzt erleben dürfen. Jesus hat auch versprochen: «Ich lasse euch nicht als hilflose Waisen zurück. Ich komme wieder zu euch» (Joh 14,18), und weiter: «Ich werde den Vater bitten und er wird euch einen anderen Beistand geben, der für immer bei euch bleiben soll, den Geist der Wahrheit» (Joh 14,16-17). In diesem Sinn soll nun eine neue Zeit beginnen! Eine neue Zeit mit mehr Heiligem Geist soll nun in Kirche und Gesellschaft beginnen können!

Zur heutigen Freude haben in den vergangenen Wochen viele beigetragen. Um nur einige zu nennen: die Familien mit ihren Freuden und Schwierigkeiten und die im Gesundheitswesen und Pflegebereich Tätigen, welche auch weiterhin nicht nur ein bewegendes Zeugnis ihrer Fachkompetenz geben, sondern sich auch als Zeugen der Menschlichkeit und der christlichen Nächstenliebe erweisen. Dafür verdienen sie und auch viele andere unseren grossen Dank, den Dank der ganzen Kirche. Nicht zuletzt soll auch unseren zivilen Behörden unser Dank gelten für ihre unermüdliche Sorge um das Wohl und die Gesundheit der Bevölkerung. Dies alles können wir auch als Zeichen des Wirkens des Heiligen Geistes in den Herzen der Menschen guten Willens verstehen.

Mit derselben Kraft des Heiligen Geistes wollen wir in unserem Bistum Chur gemeinsam auf dem Weg zur Erneuerung der Kirche entschlossen voranschreiten. Am 8. Juni werden wir die 2. Phase beginnen können. Der Heilige Johannes vom Kreuz, der grosse spanische Mystiker des 16. Jahrhunderts, schrieb diese sehr schönen Worte: «Komm, Südwind – fach empor der Liebe Glosen; durch meinen Garten streiche, lass seine Düfte kosen – und weiden wird der Liebste unter Rosen» (Das Lied der Liebe, Lied B, Strophe 17, § 9).

Am heutigen Pfingstfest lasst uns darum bitten, diesen Südwind des Heiligen Geistes empfangen zu können, vom Geist leben zu können oder, noch besser, im Geist leben zu können. Heute ist der Heilige Geist derjenige, der uns neues Leben schenkt. Der Heilige Geist ist der Geist der Liebe. Er ist derjenige, der kommt, um in uns unsere Liebesfähigkeit zu erneuern. Wenn wahre Liebe in unseren Herzen herrscht, dann deshalb, weil uns der Heilige Geist gegeben wurde. Der Heilige Geist ist Gott, der in unseren Herzen bleiben und unsere Existenz teilen will und eins mit uns werden möchte. Durch ihn geschieht unsere wahre Erneuerung und die Erneuerung der Kirche in unserer Welt.

Meine Lieben, der heilige Basilius von Cäsarea weist auf den Heiligen Geist hin: «Ihr könnt ihn nicht erfassen, aber Ihr könnt seine Güte verstehen. Wir können dies dank der Werke tun, zu denen er uns ermutigt: Menschen, die hungrig sind, Nahrung geben, denen, die durstig sind, Wasser geben, den Betroffenen zuhören, die Kranken besuchen, geduldig die Fehler anderer tragen… Dies sind keine spektakulären Handlungen, sondern im Gegenteil einfache Gesten der Einfachheit des Geistes in uns allen».

Ja, «Dies ist der Tag, den der Herr macht; lasst uns freuen und fröhlich an ihm sein!». Amen.

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