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Bistum Chur

Homilie von Bischof Peter Bürcher, am Sonntag 16. August 2020 in der Klosterkirche von Disentis, Fest Mater misericordiae

Gnädiger, Lieber Abt Vigeli
Liebe Mönche
Liebe Lehrerschaft, Liebe Schülerinnen, Liebe Schüler
Liebe Schwestern und Brüder

Nie hätte ich gedacht, dass ich zum heutigen Festtag als Apostolischer Administrator des Bistums Chur noch da sein werde…
So ist es aber für uns im versprochenen kirchlichen Gehorsam!
In Freude und Dankbarkeit feiern wir heute das Fest Mater misericordiae. Ich danke von ganzem Herzen dem lieben Gnädigen Abt Vigeli sowie Euch allen für Euren so liebevollen Empfang zur heutigen Heiligen Messfeier in Eurer so wunderschön restaurierten Klosterkirche hier in Disentis.

Was bedeutet eigentlich „Mater Misericordiae“? Ja, „Mutter der Barmherzigkeit“. Wir singen es im Salve Regina wie auch in der Litanei. Die früheste handschriftliche Textüberlieferung des Salve Regina findet sich im Pontifikale von Aurillac (Paris, Nachtrag um 1100). In der ersten Zeile ist das Wort mater ‚Mutter‘ ein Einschub, der sich erst im 16. Jahrhundert durchsetzte; bis dahin, seit dem 12. Jahrhundert, wandte sich das Lied an Regina misericordiae, die „Königin der Barmherzigkeit“. Keine Sorge: Maria ist zugleich Königin und Mutter! 

Die Reformatoren lehnten die Marienverehrung ab, das lateinische Stundengebet wurde jedoch zunächst weiter verrichtet, und es gab lateinische Gesänge im Gottesdienst. So kam es zu auf Gott Vater und Jesus Christus bezogenen Umdichtungen der Passagen im Salve Regina, in denen Maria genannt wurde. Statt Salve Regina, mater misericordiae hiess es nun „gemeint, christlich gebessert“ Salve o Christe, salve, fons misericordiae („Sei gegrüßt, Christus, du Quelle der Barmherzigkeit“), Salve Rex aeternae misericordiae („Sei gegrüßt, König der ewigen Barmherzigkeit“) oder ähnlich. Ja, Gott ist die Quelle der Barmherzigkeit. Maria trug aber als Mutter in ihrem Schoss Jesus den barmherzigen Sohn Gottes und zugleich Mensch. Welche Gnade!

Mater Misericordiae kann sehr gut aus der Heiligen Schrift verstanden werden, aus der es stammt. Durch das einzigartige Ereignis der Menschwerdung Jesu in ihrem Leib hat niemand die Gegenwart der fleischgewordenen Barmherzigkeit so intensiv erlebt wie Maria. Weit mehr als eine vorübergehende Erfahrung hat Maria jeden Tag ihres Lebens die Beständigkeit der Barmherzigkeit erlebt in dem Versprechen der tatsächlichen Gegenwart Jesu, das der andere Name „Emmanuel“ (Gott mit uns) offenbart.

Von den ersten Tagen ihrer Schwangerschaft an wurde Maria, als junge Mutter, Missionarin dieser Erfahrung und beeilte sich, es ihrer Cousine Elisabeth zu erzählen. „Maria machte sich auf den Weg und eilte in eine Stadt im Bergland von Judäa“ (Lk 1,39). Der Text der Heimsuchung (Lk 1,39-56) wird durch das Lied des Magnifikats (Lk 1,46-55) beleuchtet, das ganz der Barmherzigkeit gewidmet ist, die sich durch sie „für immer und ewig“ erstreckt. Dieses Versprechen verbindet sie mit allen Generationen der Menschheit und macht sie zu einem Kanal universeller Barmherzigkeit. „Seine Barmherzigkeit bleibt für immer und ewig, sie gilt allen Menschen, die in Ehrfurcht vor ihm leben“ (Lk 1,50).

Meine Lieben, durch ihre Anwesenheit unter dem Kreuz (Joh. 19,25-27) wurde Maria Zeugin der Vergebungsworte ihres Sohnes. Sie war Zeugin des vollständigen Geschenks seines Lebens, das er aus Liebe zur ganzen Menschheit vollbracht hatte. In diesem heilgeschichtlichen Moment hat er sie uns allen als Mutter geschenkt: „Siehe, das ist deine Mutter!“ (Joh. 19,26). Ja, sie ist also wirklich unsere Mutter der Barmherzigkeit: Mater misericordiae. Dieser ungerechte Tod Jesu, aber ohne Vorwurf geschenkt, offenbart die Unendlichkeit der Barmherzigkeit Gottes, die alle erreicht, ohne jemanden auszuschliessen, nicht einmal diejenigen, die sie ablehnen. Maria durfte von der Menschwerdung bis zur Auferstehung die unendliche Barmherzigkeit ihres Sohnes begleiten. Deshalb erkennt die Kirche in Maria die Mittlerin der Gnaden Gottes, dessen Barmherzigkeit die höchste ist. Amen

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