s Predigt von Bischof Peter Bürcher beim Pastoralbesuch in Obbürgen/NW am 17. November 2019 | Bistum Chur
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Bistum Chur

Predigt von Bischof Peter Bürcher beim Pastoralbesuch in Obbürgen/NW am 17. November 2019

Lieber Herr Pfarradministrator Daniel Bühlmann
Sehr geehrter Herr Kirchgemeindepräsident Fredy Barmettler
Liebe Schwestern und Brüder
Liebe Kinder

Heute erleben wir in Obbürgen einen Gnadentag! Ich danke Euch allen für Eure so liebevolle Einladung zum Pastoralbesuch in Eurer Pfarrei! Vergelt’s Gott an alle!

Das liturgische Jahr neigt sich jetzt dem Ende zu. Dies ist der Moment, in dem die Kirche beschließt, die Texte des Evangeliums, die vom Ende der Welt sprechen, erneut zu lesen. Jesus bietet uns die Möglichkeit, die Zeichen der Zeit zu lesen, wenn die Geschichte Krisen erlebt.

Als der heilige Lukas sein Evangelium schreibt, hat die Einnahme Jerusalems höchstwahrscheinlich bereits stattgefunden. Die Christen erleben deren Konsequenzen und Umwälzungen. Der Evangelist erinnert uns an Jesu Worte, die uns einladen, unsere Ängste zu überwinden und den Mut zu bewahren.

Die Jünger Jesu sprachen untereinander vom Tempel und bewunderten die Schönheit der Steine ​​und die Weihegeschenke der Gläubigen. Einige dieser riesigen und schönen Steine kann man heute noch in Jerusalem sehen. Jesus sagte zu den Jüngern: «Es werden Tage kommen, an denen von allem, was ihr hier seht, kein Stein auf dem andern bleibt, der nicht niedergerissen wird». Wir wissen, dass Jerusalem und sein Tempel für die Juden symbolische Bauten waren, auf denen ihre Religion beruhte: die Gegenwart Gottes inmitten seines Volkes. Und jetzt bricht dieser riesige Bau zusammen. Weder Jerusalem noch der Tempel sind nun die einzigartigen Orte der Gegenwart Gottes. Ja, auch wir können heute feststellen, wenn wir die Kirchengeschichte lesen, dass auch die Kirche während Jahrhunderten viele Umwälzungen erlebt hat. Heute sieht sie viele Tempel am Boden, die sie gebaut hatte, sowie auch viele Strukturen und Denkweisen, die sie für unveränderlich hielt. Trotzdem soll sie sich aber daran erinnern, dass sie als Kirche «semper reformanda», immer der Umkehr bedürftig, ist. Die Kirche hat die Aufgabe, die Herausforderungen der Zeit anzunehmen und sich dessen aber bewusst sein, dass sie nicht zuerst zeitgemäss, sondern gottgemäss zu sein hat! Sie muss immer daran denken, dass es der auferstandene Christus ist, der für sie als neuer Tempel dasteht, als vollendetes Zeichen der Gegenwart und der Hoffnung.

«Gebt acht, dass man euch nicht irreführt», sagt Jesus! «Denn viele werden unter meinem Namen auftreten und sagen: Ich bin es! Und: Die Zeit ist da. Lauft ihnen nicht nach!» Jesus warnt vor falschen Propheten, falschen Messiassen, den Ankündigern vom Ende der Welt, deren Datum sie kennen, vor falschen Propheten, welche die Leute in Sekten sammeln. «Geht denen nicht nach! », sagt Jesus, der gekreuzigte Messias.

«Wenn ihr von Kriegen und Unruhen hört, lasst euch nicht erschrecken! Denn das muss als Erstes geschehen; aber das Ende kommt noch nicht sofort!» Diese Worte Jesu finden heute eine starke Resonanz in unserer Welt, bedroht von allen Seiten durch die Kriege, die Hungersnöte, die Epidemien, die Verschmutzungen aller Art. «Fürchtet Euch nicht, habt keine Angst», sagte schon Jesus zu seinen Jüngern.

Anstelle von sterilen Ängsten setzt Euch mutig für das Leben, für die Armen, für den Frieden und für den Respekt der Natur ein, mit grosser Zuversicht und Hoffnung gegen alle Widrigkeiten. Zugegeben, das Böse tut immer weh! Wenn unsere Grundeinstellung jedoch Hoffnung und Vertrauen in den Herrn ist, hindert sie uns nicht daran, die Ärmel hochzukrempeln und alles in unserer Macht Stehende zu tun, um die Situation zu verbessern. Wenn man krank ist, lässt man sich behandeln. Wenn man die Arbeit verliert, versucht man, eine andere zu finden. Wenn eine Flut in den Keller des Hauses eindringt, setzt man sich ein, das Wasser aus dem Keller zu entfernen und den Keller zu putzen. Das erwartete Kommen des Herrn verlangt vom Christen eine Haltung verantwortlicher Nüchternheit.

Man fragte eines Tages den Hl. Ludwig von Gonzaga, als er noch ein Kind war: «Ludwig, wenn man dir sagen würde, während dem Du beim Spielen auf dem Sportplatz bist: am Ende der heutigen Spielzeitpause bricht das Ende der Welt an! Was würdest Du tun? Der Hl. Ludwig antwortete: «Ich würde weiter spielen!»

«Den Zeitpunkt der Vollendung der Erde und der neuen Menschheit kennen wir nicht. Auch wissen wir nicht, nach welcher Art und Weise das Universum umgestaltet werden wird. Die Wahrheit verfehlen die Christen, die meinen, sie könnten ihre irdischen Pflichten vernachlässigen, weil wir hier ja keine bleibende Stätte haben. Sie verkennen, dass sie durch den Glauben erst recht aufgerufen sind, ihre Pflicht zu erfüllen. Ein Christ, der seine irdischen Pflichten vernachlässigt, versäumt damit seine Pflichten gegen den Nächsten, ja gegen Gott selbst und bringt sein ewiges Heil in Gefahr» (II. Vatikanisches Konzil, Über die Kirche in der Welt von heute, 39 u. 43).

Meine Lieben, Ihr habt die Gnade, dass Eure schöne Kirche dem Hl. Antonius von Padua geweiht ist. Er ist ja Kirchenlehrer, erster Lehrer des Franziskanerordens; Schutzheiliger der Ehe, Bäcker, Bergleute, Pferde und sogar verlorener Sachen! Heute ist in der ganzen Welt der 3. Welttag der Armen, den unser Papst Franziskus eingesetzt hat. Der Hl. Antonius wird uns allen sicher helfen, das zu tun, was er sagte: «Der Heuchler fastet, damit man ihn lobe; der Geizhals, damit man seine Börse fülle; der Gerechte, um Gott zu gefallen!» Und: «Klein ist der Mensch, der Vergängliches sucht, groß aber, wer das Ewige im Sinn hat!». Ja, dieser heutige Welttag der Armen wird die beste Vorbereitung sein, um die Herrlichkeit unseres Herrn Jesus Christus, des Königs des Universums, zu feiern, der sich mit den Kleinen und den Armen identifiziert hat und der uns nach den Werken der Barmherzigkeit richten wird (vgl. Mt 25,31-46).

Bitten wir den Herrn, uns diese Hoffnung in den schwierigen Zeiten zu geben, wenn diese kommen werden. Denn in unserer Treue zum Herrn werden wir unseren tiefsten Frieden und unsere größte Freude finden.

«Herr Jesus Christus, ich weiß – sagt ein Gebet – eines Tages wirst du wiederkommen. Dann wird deine Herrlichkeit für alle sichtbar sein und du wirst die gebrochene Welt wiederherstellen. Hilf mir, bis dahin die Zeit meines Lebens sinnvoll zu nutzen und auf diesen Tag mit Freude hinzuleben. Ich freue mich auf alles, was du noch für mich bereithältst». Amen

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