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Predigt von Bischof Peter Bürcher in der Mitternachtsmesse vom 24. Dezember 2019 in der Kathedrale Chur

Welch wunderbares Geschehen feiern wir in dieser Heiligen Nacht!
Am 1. Adventssonntag hat Papst Franziskus das Apostolische Schreiben «Admirabile signum» «Das wunderbare Zeichen» in Greccio unterschrieben. Dank dem Hl. Franz von Assisi kam in Greccio die erste Weihnachtskrippe in die Welt.

Man erzählt, wie der heilige Franz, der auf alle möglichen Weisen das Leben Jesu Christi nachempfinden wollte, in der Vorweihnachtszeit des Jahres 1223 auf die Idee kam, in den Bergen Umbriens ein neues Bethlehem zu errichten.

Die Franziskus-Quellen berichten ausführlich, was in Greccio geschehen ist. Fünfzehn Tage vor Weihnachten rief Franziskus einen Einheimischen namens Johannes zu sich und bat ihn um seine Mithilfe bei der Verwirklichung eines Wunsches: «Ich möchte nämlich das Gedächtnis an jenes Kind begehen, das in Betlehem geboren wurde, und ich möchte die bittere Not, die es schon als kleines Kind zu leiden hatte, wie es in eine Krippe gelegt, an der Ochs und Esel standen, und wie es auf Heu gebettet wurde, so greifbar als möglich mit leiblichen Augen schauen» (Thomas von Celano, Erste Lebensbeschreibung, 84: Franziskus-Quellen FQ, 250).

«Gleich nachdem er dieses Anliegen vernommen hatte, ging der treue Freund los, um am vorgesehenen Ort alles Notwendige entsprechend dem Wunsch des Heiligen vorzubereiten. Am 25. Dezember kamen viele Brüder aus verschiedenen Gegenden nach Greccio, und es kamen auch Männer und Frauen von den umliegenden Höfen mit Blumen und Fackeln, um diese heilige Nacht zu erleuchten. Als Franziskus ankam, fand er die Krippe mit dem Heu, dem Ochsen und dem Esel. Der Anblick der Weihnachtsszene erfüllte die herbeigeeilten Menschen mit unsagbarer, nie zuvor erlebter Freude. Dann feierte der Priester über der Krippe feierlich die Eucharistie und machte so die Verbindung zwischen der Menschwerdung des Sohnes Gottes und der Eucharistie sichtbar. Bei dieser Gelegenheit kamen in Greccio keine Figuren zum Einsatz: Die Anwesenden selbst stellten die Krippenszene dar und erlebten sie» (Vgl. ebd., 85: FQ, 250).

Meine Lieben, dieses Heilige Geschehen feiern auch wir mit Freude in dieser Heiligen Nacht! Im Apostolischen Schreiben «Admirabile signum» des Heiligen Vaters über die Bedeutung und den Wert der Weihnachtskrippe können wir lesen: «Das wunderbare Zeichen der Krippe, die dem christlichen Volk so sehr am Herzen liegt, weckt immer wieder neu Staunen und Verwunderung. Das Ereignis der Geburt Jesu darzustellen bedeutet, das Geheimnis der Menschwerdung des Sohnes Gottes mit Einfachheit und Freude zu verkünden. Die Krippe ist in der Tat wie ein lebendiges Evangelium, das aus den Seiten der Heiligen Schrift hervortritt. Wenn wir über die Weihnachtsszene nachdenken, sind wir eingeladen, uns geistlich auf den Weg zu machen, uns anziehen zu lassen von der Demut des Einen, der Mensch wurde, um jedem Menschen zu begegnen. Und wir entdecken, dass er uns so sehr liebt, dass er sich mit uns vereint, damit auch wir uns mit ihm vereinen können».

«Mit diesem Schreiben möchte ich die schöne Tradition in unseren Familien stützen, in den Tagen vor Weihnachten eine Krippe aufzubauen, als auch den guten Brauch, sie am Arbeitsplatz, in Schulen, Krankenhäusern, Gefängnissen, auf öffentlichen Plätzen usw. aufzustellen. In wirklich kreativem Einfallsreichtum entstehen aus den unterschiedlichsten Materialien kleine Meisterwerke, die sehr schön anzusehen sind. Schon als Kind wächst man da hinein, wenn Vater und Mutter zusammen mit den Großeltern diesen freudigen Brauch weitervermitteln, der aus einer reichen Volksfrömmigkeit schöpft. Ich hoffe, dass dieses Brauchtum nie vergeht; im Gegenteil, ich hoffe, dass es dort, wo es nicht mehr gepflegt wird, wiederentdeckt und neu belebt werden kann» (Admirabile signum AS 1).

«Der heilige Franziskus», schreibt Papst Franziskus weiter, «hat mit der Schlichtheit dieses Zeichens ein großes Werk der Evangelisierung vollbracht. Seine Lehre ist in das Herz der Christen eingedrungen und bleibt bis in unsere Tage ein authentischer Weg, um die Schönheit unseres Glaubens auf schlichte Weise neu darzulegen. (…). Warum bewegt uns die Krippe und bringt uns derart zum Staunen? Vor allem weil sie Gottes Zärtlichkeit offenbart. Er, der Schöpfer des Alls, begibt sich zu uns hernieder. Das Geschenk des Lebens, an sich schon ein Geheimnis für uns, fasziniert uns umso mehr, wenn wir sehen, dass er, der aus Maria geboren wurde, die Quelle und der Halt allen Lebens ist. In Jesus hat uns der Vater einen Bruder geschenkt, der kommt, um uns zu suchen, wenn wir orientierungslos sind und die Richtung verlieren; einen treuen Freund, der uns immer nahe ist; er hat uns seinen Sohn geschenkt, der uns vergibt und aus aller Sünde erlöst» (AS 3).

«Liebe Brüder und Schwestern», schreibt der Papst am Schluss, «die Krippe ist ein Teil des schönen und anspruchsvollen Prozesses der Glaubensweitergabe. Von Kindheit an erzieht sie uns in jedem Alter dazu, Jesus zu betrachten, die Liebe Gottes zu uns zu spüren; zu fühlen und zu glauben, dass Gott bei uns ist und wir bei ihm und dass wir alle dank dieses Kindes, des Sohnes Gottes und der Jungfrau Maria, Kinder und Geschwister sind. Und zu spüren, dass darin das Glück liegt. In der Schule des heiligen Franziskus wollen wir unsere Herzen dieser einfachen Gnade öffnen; lassen wir zu, dass aus dem Staunen ein demütiges Gebet erwächst: unser „Danke“ an Gott, der alles mit uns teilen wollte, um uns nie allein zu lassen» (AS 10).

Ja, meine Lieben, kommen wir oft zur Krippe, diesem wunderbaren Zeichen! Kommen wir oft zu Jesus, unserem Heiland, im Gebet und in den Sakramenten der Kirche! Frohe Weihnachten! Amen

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